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Bremerhaven Plus / Ratgeber
So erkennen Sie eine Altersdepression
©Jacob Lund/stock.adobe.com
Häufiges psychisches Leiden

So erkennen Sie eine Altersdepression

Schmerzen, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwäche: Das können Anzeichen für eine Altersdepression sein. Neben Demenz ist das in Deutschland die häufigste psychische Erkrankung bei Menschen über 65 Jahren. Eine Depression kann das Leben stark beeinträchtigen. Deshalb ist die Behandlung beim Arzt nötig. Erfahren Sie hier, woran Sie Altersdepressionen erkennen und was Sie im Falle einer Depression tun können. 

Risiko zwei- bis dreimal so hoch 

Rund sechs Prozent der Menschen über 65 Jahren erkranken laut Deutscher Depressionshilfe an mittleren oder schweren Depressionen. Das sind zwar etwas weniger als der Durchschnitt durch alle Altersgruppen von rund acht Prozent. Dafür sei das Risiko, an einer leichten Form des Leidens zu erkranken, bei älteren Menschen zwei- bis dreimal so hoch. Und auch leichte Depressionen können die Lebensqualität stark vermindern. 

So erkennen Sie eine Altersdepression

Betroffene älter als 65 Jahre 

Von einer Altersdepression spricht man, wenn die erkrankte Person älter als 65 Jahre ist. Die Krankheit kann dann entweder wieder auftreten, nachdem ein Mensch bereits früher unter Depressionen gelitten hatte. Oder sie entwickelt sich neu. Die psychischen Symptome unterscheiden sich nicht von einer herkömmlichen Depression. 

Psychische Symptome für eine Altersdepression sind: 

– Niedergeschlagene Stimmung, Freudlosigkeit 

– Fehlende Konzentration, Überforderung, Gedächtnisschwäche 

– Sprachprobleme 

– Verlust von Interesse und Antrieb 

– Angst 

– Hoffnungslosigkeit 

– Schuldgefühle und Selbstvorwürfe 

Altersdepression schwer zu erkennen 

Die psychischen Symptome entwickeln sich meistens erst schleichend und treten gegenüber den körperlichen Beschwerden in den Hintergrund. Das macht die Diagnose einer Altersdepression schwierig. Denn Betroffene wenden sich oft wegen ihrer körperlichen Leiden an ihren Hausarzt. Und darin erkennen viele Mediziner normale Altersbeschwerden. Die körperlichen Beschwerden können aber psychosomatisch bedingt sein. Das heißt, dass sie von der Depression ausgelöst werden. 

Körperliche Symptome sind: 

– Kopf- und Rückenschmerzen 

– Magen-Darm-Probleme 

– Müdigkeit 

– Schlafstörungen 

– Appetitlosigkeit 

– Schwindel 

– Beklemmungen 

– Herzbeschwerden 

Ähnlichkeiten zur Demenz 

Die Diagnose wird noch dadurch erschwert, dass gerade die psychischen Anzeichen teilweise denen einer Demenz gleichen. So zum Beispiel die Probleme mit Sprache, Konzentration und Gedächtnis. Es gibt aber deutliche Unterschiede: Altersdepressionen setzen plötzlich ein. Bei Demenz ist das stattdessen ein schleichender Prozess. Außerdem beklagen sich Patienten mit einer Depression meistens über ihren Zustand. Demenzkranke versuchen hingegen, ihr Leiden auszublenden oder zu verstecken. Menschen mit Altersdepressionen wirken oft zerstreut. Aber selten haben sie Probleme damit, ihren Namen oder die Uhrzeit anzugeben. 

Mehrere Ursachen für Altersdepression

Doch woher kommt eine Altersdepression? Oftmals wirken dabei mehrere Risikofaktoren zusammen. So sind Betroffene einerseits oft genetisch vorbelastet. Andererseits ist Stress ein häufiger Auslöser. Etwa, wenn ein enger Angehöriger oder eine wichtige Bezugsperson stirbt. Oder wenn die körperlichen und geistigen Fähigkeiten nachlassen und damit den Alltag erschweren. Krankheiten wie Krebs oder Rheuma und ihre Folgen sind ebenfalls belastend. Viele Menschen fühlen sich nach ihrem Renteneintritt nicht mehr gebraucht und leiden darunter. Depressionen entstehen außerdem durch Schlaganfälle und Alzheimer. Zusätzlich rufen einige Medikamente Depressionen als Nebenwirkungen hervor. 

Rechtzeitige Behandlung wichtig 

Wenn Sie an sich oder ihren Angehörigen eines oder mehrere der oben genannten Symptome feststellen, sollten Sie sich von Ihrem Hausarzt untersuchen lassen. Sie können außerdem den Selbsttest der Deutschen Depressionshilfe nutzen. Eine Altersdepression verschwindet in der Regel nicht ohne eine Behandlung. Sie kann sogar chronisch werden, wenn nicht rechtzeitig gehandelt wird. Bei älteren Menschen können ihre Folgen zu einem gefährlichen körperlichen Abbau führen. Außerdem ist gerade bei Männern im Seniorenalter die Suizidrate stark erhöht. 

Altersdepression kann geheilt werden 

Ihr Hausarzt prüft zunächst, ob körperliche Ursachen für die Symptome erkennbar sind. Bei Verdacht auf eine Depression überweist er Sie an einen Psychologen oder Psychotherapeuten zur tiefergehenden Diagnose. Dieser entwirft eine individuell angepasste Behandlung. In der Regel erhalten Patienten eine Psychotherapie, Antidepressiva oder eine Kombination aus beidem. Dadurch lassen sowohl psychische als auch körperliche Folgen der Altersdepression meistens stark nach. Häufig verschwinden sie nach kurzer Zeit komplett. 

Krankheit ist kein Zeichen von Schwäche 

Der erste und wichtigste Schritt ist, sich die Krankheit einzugestehen und Hilfe zu holen. Niemand muss sich wegen einer Depression schämen. Im Schnitt erkrankt rund jeder fünfte Mensch im Leben an einer Depression. Daran ist niemand selbst Schuld und es ist auch kein Anzeichen von mentaler Schwäche. Unterstützen Sie Ihre Angehörigen und machen Ihnen Mut, wenn Sie Anzeichen erkennen. 


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